Dienstag, 21. November 2017

[Rezension] Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken - John Green




Preis: 20,00€
Einband: Hardcover
Seiten: 288
Reihe?: Einzelband
Erscheinungsdatum: November 2017
Verlag: Hanser
Rezensionsexemplar?: nein

Inhalt

Die 16-jährige Aza Holmes hatte ganz sicher nicht vor, sich an der Suche nach dem verschwundenen Milliardär Russell Pickett zu beteiligen. Sie hat genug mit ihren eigenen Sorgen und Ängsten zu kämpfen, die ihre Gedankenwelt zwanghaft beherrschen. Doch als eine Hunderttausend-Dollar-Belohnung auf dem Spiel steht und ihre furchtlose beste Freundin Daisy es kaum erwarten kann, das Geheimnis um Pickett aufzuklären, macht Aza mit. Sie versucht Mut zu beweisen und überwindet durch Daisy nicht nur kleine Hindernisse, sondern auch große Gegensätze, die sie von anderen Menschen trennen. Für Aza wird es ein großes Abenteuer und eine Reise ins Zentrum ihrer Gedankenspirale, der sie zu entkommen versucht.

Meine Meinung

Ich bin in der letzten Zeit ein wenig Rezension-schreiben-faul, aber zu John Greens neuem Buch „Turtles all the way down“ (oder zu Deutsch in der sehr interessanten *hust* Übersetzung „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“) wollte ich dann doch etwas schreiben. Obwohl meine Gedanken zu dem Buch eher schwer in die richtigen Worte zu fassen sind. Deshalb habe ich mir erstmal meine  Rezension zu TFIOS von vor drei Jahren durchgelesen. Damals ist mir das auch etwas schwer gefallen und daraus ist dann eine eher kurze Rezi entstanden, in der ich eigentlich nur ständig wiederholt habe, dass ich das Buch liebe. Tja, eigentlich könnte ich jetzt wieder genau das gleiche schreiben, aber ich will mal versuchen, es diesmal ein wenig besser zu erklären.

In TATWD geht es um Aza, die laut Beschreibung zusammen mit ihrer besten Freundin nach einem verschwundenen Milliardär sucht. Das stimmt auch, aber ich würde nicht behaupten dass dies das zentrale Thema der Geschichte ist. Eigentlich geht es um Azas Gedanken. Aza leidet unter OCD (opressive compulsive disorder) und Ängsten und genau darauf liegt der Fokus in dieser Geschichte. Es ist also manchmal eine Detektivgeschichte oder eine Geschichte über Freundschaft oder auch eine Geschichte über die erste Liebe, aber die Perspektive ist besonders: Wie geht eine Person mit unkontrollierbaren Gedanken mit einer Detektivgeschichte um, wie mit Freundschaft oder Liebe? Diese Perspektive hat das Buch für mich direkt schon besonders gemacht, denn ich konnte mich absolut damit identifizieren. Ich glaube, viele Leute werden mit diesem Ansatz so gar nichts anfangen können, aber viele Leute werden sich auch ungemein gehört und verstanden fühlen (wie ich selbst auch).

Ich finde, John Green hat mit dem Buch mentale Erkrankungen nicht nur dargestellt, er hat das ganze echt auf den Punkt getroffen. Wenn man seinen Youtube-Channel verfolgt weiß man, dass er selbst auch OCD hat, und das merkt man dem Buch an. Es ist sehr authentisch und gibt einen realistischen Einblick in die Gedankenwelt einer Person mit OCD. Es beschönigt nicht im geringsten, was
manchmal wirklich bedrückend werden kann. Ich hab es aber auch als hoffnungsvoll empfunden.

Mir hat besonders gefallen, wie die Charaktere miteinander und mit der Situation umgegangen sind. Man bekommt mit Azas und Daisys Beziehung eine tolle Freundschaft, eine tolle Mutter-Tochter Geschichte zwischen Aza und ihrer Mutter, und irgendwie auch sowas wie eine Liebesgeschichte. Ohne dass das Ganze zu TFIOS 2.0 mutiert. Es ist etwas eigenes und geht sensibel mit seinen Charakteren und ihren Beziehungen um.

Eigentlich hätte ich auch einfach schreiben können OMG ICH LIEBE ES!! Denn das stimmt ja auch. Aber es geht noch tiefer. Wenn ich meine Gefühle in einem Satz beschreiben müsste wäre es einfach: Ich fühle mich verstanden. Und dieses sich wirklich von einem Buch verstanden fühlen ging mir sehr nahe und war unheimlich toll.

Fazit

„Turtles all the way down“ gehört ganz einfach schon jetzt zu meinen Lieblingsbüchern und John Green mittlerweile auch zu meinen Lieblingsautoren. Ich kann das Buch wirklich jedem ans Herz legen, der sich für das Thema OCD interessiert und sich davon ein genaueres Bild machen möchte.

Kommentare:

  1. Der deutsche Titel ist wirklich sehr interessant :D. Er dürfte eine Anspielung auf das Zitat von Salinger sein, welches irgendwie im Buch vorkommt - ich weiß grad nicht mehr genau wo. Ich finde ihn aber gar nicht mal so unpassend, da es in dem Buch ja um Gedanken geht und der Originaltitel eher schwer zu überstehen ist.
    Aber seit ich herausgefunden habe, dass der Satz „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ in die deutsche Übersetzung komplett neu eingefügt wurde und im Original gar nicht vorkommt, wundert mich gar nichts mehr ^^.
    Das deutsche Cover finde ich eigentlich auch ganz cool. Hätte ich das Buch gemocht, hätte ich es mir sicher auch nochmal auf deutsch gekauft.

    Die Detektivgeschiche hätte man sich meiner Meinung nach echt schenken können, weil dafür im Buch sowieso keine Zeit blieb und am Ende alles viel zu schnell ging. Ich bin mir nicht mal sicher, ob ich verstanden habe, was mit Davis‘ Vater jetzt eigentlich war. Eigentlich war das doch nur der Aufhänger, damit Aza und Davis aufeinandertreffen.

    Den Ansatz, wie Azas OCD dargestellt wird, fand ich total super. Ja, er ist etwas speziell und regt einen teilweise sehr auf, weil man sich als nicht betroffene Person fragt, wie man sich nur solche Gedanken machen kann, aber ich denke, es ist auch eine recht realistische Darstellung. Da ich letztes Jahr erfahren habe, dass eine mir nahestehende Person an OCD leidet, fand ich das Buch besonders informativ. Sowieso ist es wichtig, dass über psychische Erkrankungen mal mehr geschrieben wird, damit die Betroffenen nicht mehr so stigmatisiert bzw. nicht ernstgenommen werden, nur weil man ihre Krankheit nicht sehen kann.

    Die Beziehungen zwischen den Figuren und wie sie mit Azas OCD umgehen fand ich auch toll, grad die Mutter-Tochter-Beziehung und die Verzweiflung von Azas Mutter, weil sie ihre Tochter nur teilweise verstehen und ihr nicht wirklich helfen kann. Auch wie Daisy Aza irgendwann vorwirft, selbstsüchtig zu sein, fand ich echt spannend, weil das Buch so eben auch zeigt, wie ihre Freundschaft belastet wird und dass sie trotzdem möglich ist.

    Leider fand ich Daisy als Figur bis auf das Ende, wo es dann auch um ihre Geldsorgen und so geht, total klischeehaft und nervig, Davis viel zu gut, um wahr zu sein, und Aza ultralangweilig. Man weiß am Ende des Buches nichts über ihre Vorlieben, Hobbys oder Abneigungen, nur, dass sie OCD hat. Als wäre sie nichts als ihre Krankheit. Das fand ich total enttäuschend, da gerade so ein Buch ja zeigen sollte, dass Menschen eben nicht nur ihre psychische Krankheit sind.
    Außerdem hatte ich in den ersten zwei Dritteln das Gefühl, dass absolut nichts passiert.

    Ich glaube, ich hatte einfach zu viel von dem neuen John Green erwartet, obwohl ich ja wusste, dass ich seine Bücher eigentlich nicht mag - bis auf TFIOS^^.

    Es freut mich aber trotzdem, dass dir das Buch so gut gefallen hat :).

    Liebe Grüße
    Charlie

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    1. Ich finds super spannend, dass für viele Leute TFIOS so eine Ausnahme ist:D Ich verstehs schon, aber da sind sich irgendwie fast alle einig:D

      Und auch echt interessant, warum du das Buch nicht so sehr mochtest! Wenn ich John Green lese, dann sehe ich auch immer recht genau, was man daran kritisieren könnte - und dann sperre ich die Gedanken weg und genieße die Bücher einfach:D Seine Bücher machen das einfach mit mir.

      Ich mag das deutsche Cover auch, obwohl ich das Wendecover sogar noch besser finde. Ich hab mir auch überlegt es noch zu kaufen, aber da war mir mein Geld dann doch ein bisschen zu schade für. Es kommen irgendwann aber bestimmt noch andere schöne Editionen raus.

      Oh ja, Stigmatisierung ist echt ein Problem. Sowas trift vll eben nicht auf so viel Verständnis wie ein gebrochener Arm, man kann es halt auch meistens nicht sehen. Das ist manchmal echt ne komplizierte Situation.

      Ich fand die Dynamik zwischen Aza und ihrer Mutter und Daisy auch sehr spannend! Und manchmal denke ich, ich mag Bücher, bei denen nichts passiert:D Über manche meiner Highlights könnte man das echt sagen, und das sind dann genau die, die ich nicht mehr aus der Hand legen kann:D

      Super spannend, wie anders man ein Buch wahrnehmen kann! Manchmal merke ich sowas und bin davon fasziniert aber zweifle auch immer so ein bisschen an dem Nutzen von Rezensionen:D

      Liebe Grüße!

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  2. Ich glaube, Rezensionen können total Sinn ergeben, wenn man raus hat, ob jemand etwa die gleichen Ansprüche an ein Buch hat wie man selbst. Und es ist auch interessant, was die Leute an einem Buch loben oder kritisieren. Daran erkennt man auch manchmal, wenn jemand einfach andere Prioritäten setzt.
    Oft lese ich Rezensionen aber tatsächlich erst, wenn ich das Buch selbst gelesen habe xD. Denn dann finde ich’s auch echt spannend zu sehen, wie unterschiedlich mal ein Buch wahrnehmen kann.

    LG :)

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